18. Febru­ar 2022

Verkehrsminister Wissing verteuert Hilfsgütertransporte ins Ahrtal

Sechs Sat­tel­zü­ge vol­ler Hilfs­gü­ter und drei Fahr­zeu­ge der Wer­ler Feu­er­wehr aus dem Kreis Soest (NRW) ste­hen bela­den und abfahr­be­reit, um gespen­de­tes Bau- und Elek­tronik­ma­te­ri­al für den Wie­der­auf­bau ins Ahr­tal zu bringen.

Am mor­gi­gen Sams­tag, 19. Febru­ar, soll es nach Dernau los­ge­hen. Ges­tern erhiel­ten die Orga­ni­sa­to­ren die schrift­li­che Absa­ge des Bun­des­amts für Güter­ver­kehr (BAG), dass die­ser Trans­port nicht von der Maut befreit wer­den kön­ne. Es geht bei die­sem Mam­­mut-Hilfs­­­kon­­voi um ca. 700 Euro an Toll Collect, die die  pri­va­ten Spen­der bit­te selbst auf­brin­gen sol­len. Die­se Ent­schei­dung hat­te das BAG mit dem Bun­des­ver­kehrs­mi­nis­te­ri­um abgestimmt.

Grund: Nach dem Bun­des­fern­stra­ßen­maut­ge­setz ist nur im Kata­stro­phen­fall der Trans­port von Bau­ma­te­ria­len für den wirt­schaft­li­chen Wie­der­auf­bau von der Maut befreit.

Im Ahr­tal wur­de der Kata­stro­phen­fall aber am 02.10.2021 auf­ge­ho­ben. Des­halb sind jetzt nur noch „huma­ni­tä­re Hilfs­gü­ter“ maut­be­freit. Das heißt: Die Holz­bri­ketts und Klein­mö­bel dür­fen ohne Maut kom­men. Für den Trans­port der 50t Zement und Mör­tel, Gips­putz, Span- und Bau­plat­ten, Wand- und Boden­flie­sen, Mate­ria­li­en für die Ele­k­­tro- und Sani­tär­in­stal­la­ti­on besteht das Bun­des­ver­kehrs­mi­nis­te­ri­um hin­ge­gen auf der Ent­rich­tung von Maut.

Ralf Dröp­pel­mann, Inha­ber des Schmidt & Tön­nies Bau­stof­fe und Trans­por­te in Werl, wand­te sich an sei­nen Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten Hans-Jür­­gen Thies, Kreis Soest. Vie­le Wer­ler waren dem Auf­ruf der Orga­ni­sa­to­ren gefolgt und hat­ten Mate­ri­al oder Geld gespen­det, damit die­ser Trans­port zusam­men­ge­stellt wer­den kann. Das kann doch jetzt nicht das Ende sein?

MdB Thies ver­such­te auf Staats­se­kre­tärs­ebe­ne im Ver­kehrs­mi­nis­te­ri­um zu inter­ve­nie­ren, wur­de dort jedoch auf  eine schrift­li­che Gesprächs­an­fra­ge verwiesen.

Das wird ein Nach­spiel haben“, so Hans-Jür­­gen Thies. „Es ist doch schlicht unglaub­lich, dass mit dem lapi­da­ren Argu­ment, die aku­te Kata­stro­phen­si­tua­ti­on im Ahr­tal sei seit Okto­ber 2021 nicht mehr gege­ben, nun­mehr bei Hilfs­lie­fe­run­gen von drin­gend benö­tig­ten Bau­ma­te­ria­li­en ins Ahr­tal kei­ne Maut­be­frei­ung gewährt wer­den kann und auch auf Nach­fra­ge nicht neu über­legt wird. Herr Wis­sing scheint völ­lig ahnungs­los und kas­siert bei Hilfs­trans­por­ten, die noch dazu von der frei­wil­li­gen Feu­er­wehr in deren Frei­zeit orga­ni­siert wur­den. Das zeugt von Instinkt­lo­sig­keit der Bun­des­re­gie­rung und ist ein Tief­schlag für die vie­len Spen­der und ehren­amt­li­chen Hel­fer, die die Flut­op­fer im Ahr­tal mit Hilfs­gü­tern ver­sor­gen wollen.“

Erst vor 14 Tagen war Minis­ter Wis­sing, FDP, im Ahr­tal, um eige­ne Ein­drü­cke von Zer­stö­rung und Fort­schritt der Ver­kehrs­in­fra­struk­tur zu sam­meln. Hat­te er die Augen fest geschlos­sen? Will er nicht sehen, wor­an es im Ahr­tal man­gelt? Statt Hil­fe, nur Ent­täu­schung”, so die ört­li­che Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te Mecht­hild Heil abschließend.