Die Bundeskunsthalle Bonn zeigt mit „Sex Work. Eine Kulturgeschichte der Sexarbeit“ eine Ausstellung, die das Thema stark über Selbstbestimmung und kulturelle Einordnung rahmt. Genau in dieser Schwerpunktsetzung liegt jedoch ein erhebliches Defizit: Zentrale Realitäten des Systems werden nicht ausreichend abgebildet oder deutlich relativiert.
- Strukturelle Nachfrage: Prostitution existiert nicht ohne die Nachfrage von Freiern; diese Nachfrage wird jedoch nicht klar als tragende Systembedingung herausgearbeitet
- Prekäre Lebenslagen: Die überwältigende Mehrheit der Betroffenen befindet sich in ökonomischen Notlagen, Abhängigkeiten oder Formen existenzieller Ausbeutung, was in der Ausstellung zu wenig sichtbar wird
- Kriminalität und Ausbeutung: Gewalt- und Zuhälterstrukturen werden dargestellt, aber nicht in ihrer strukturellen Bedeutung für das Milieu konsequent herausgearbeitet
- Marginalisierte Perspektiven: Stimmen von Aussteigerinnen und Betroffenen mit Erfahrungen von Zwang und Trauma bleiben randständig
- Verkürzte Selbstbestimmung: Der Begriff der Selbstbestimmung wird genutzt, ohne die häufig fehlende reale Wahlfreiheit gleichwertig zu kontextualisieren
Das Narrativ vom „Beruf wie jeder andere“ ist gescheitert. Es sollten die bisher gemachten Erfahrungen in anderen europäischen Staaten genutzt werden, um das bereits etablierte sogenannte „Nordische Modell“ (also das Sexkaufverbot) zu einem nationalen Modell für Deutschland weiterzuentwickeln.
- Schutz statt Normalisierung.
- Ausstieg ermöglichen statt Nachfrage stabilisieren.
- Verantwortung dort verorten, wo sie entsteht: bei der Sexkauf-Nachfrage.
#Bundeskunsthalle #SexWork #CDUCSU #frauenrechte Ottilie Kleinn Elisabeth Winkelmeier-Becker





