18. Okto­ber 2019

BerlinInfo Nr. 38 vom 18.10.2019

Lie­be Lese­rin­nen und Leser,

 

in der ver­gan­ge­nen Woche erschüt­ter­ten uns alle die Nach­rich­ten aus Hal­le. Ein Rechts­ex­tre­mer ver­such­te wäh­rend der Fei­er­lich­kei­ten zum höchs­ten jüdi­schen Fei­er­tag, Jom Kip­pur, in die dor­ti­ge Syn­ago­ge ein­zu­drin­gen. Nach­dem ihm dies nicht gelang, erschoss er wahl­los zwei Men­schen und ver­letz­te auf sei­ner Flucht zwei wei­te­re Per­so­nen schwer, bevor er von der Poli­zei fest­ge­nom­men wer­den konnte.

Ich glau­be wir alle waren von die­ser offen anti­se­mi­ti­schen Tat scho­ckiert und betrof­fen. Vie­le Men­schen haben ver­sucht, ihre Anteil­nah­me mit den Opfern und der jüdi­schen Gemein­de in Hal­le zu demons­trie­ren. Man kann wütend sein, dass eine sol­che Tat in Deutsch­land 2019 pas­sie­ren kann. Wir kön­nen uns fra­gen, ob wir anti­se­mi­ti­sche Strö­mun­gen in den letz­ten Jah­ren nicht ernst genug genom­men haben. Und die Zustän­di­gen in Poli­tik und Sicher­heits­krei­sen müs­sen über­le­gen, wie wir sol­che Ereig­nis­se in Zukunft ver­hin­dern kön­nen. Jeder geht mit einem sol­chen Ereig­nis anders um und das ist völ­lig in Ordnung.

Aber es ist über­haupt nicht in Ord­nung, wenn ein AfD-Poli­­ti­­ker, zudem noch Vor­sit­zen­der des Aus­schus­ses für Recht und Ver­brau­cher­schutz im Deut­schen Bun­des­tag, einen Post auf Twit­ter teilt, in dem nach dem Anschlag zu lesen war, dass Poli­ti­ker vor Syn­ago­gen „lun­gern‘‘. Die­se Her­ab­wür­di­gung der Viel­zahl an öffent­li­chen Soli­da­ri­täts­be­kun­dun­gen vor jüdi­schen Got­tes­häu­sern ist widerlich.

Ich bin froh, dass ich in der Sit­zung des Rechts­aus­schus­ses am Mitt­woch, gemein­sam mit mei­nen Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen aus allen Frak­tio­nen – die AfD ausgenommen‑, dem Vor­sit­zen­den des Aus­schus­ses Ste­phan Brand­ner MdB für die­ses unmög­li­che Ver­hal­ten eine Rüge ertei­len konnte.

Wir dür­fen es nicht zulas­sen, dass die AfD, unter dem Deck­män­tel­chen bür­ger­li­cher Poli­tik, wei­ter­hin den Weg ebnet für Hass, Anti­se­mi­tis­mus, Rechts­ex­tre­mis­mus und Gewalt­ta­ten. Wir müs­sen uns dar­auf besin­nen, was uns ver­bin­det, näm­lich der Glau­be an eine offe­ne Gesell­schaft, und gemein­sam gegen die zuneh­men­de Eta­blie­rung und Nor­ma­li­sie­rung von Hass und Het­ze angehen. 

 

Trotz die­ser erschüt­tern­den Ereig­nis­se wün­sche Ihnen und Ihren Fami­li­en umso mehr ein schö­nes gemein­sa­mes Wochenende

 

Ihre Mecht­hild Heil 

 

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